Die Geschichte des TuS Borussia Höchsten.

Von 1869 bis 2001 !

 

Im März des Jahres 1869 fanden sich einige fortschrittlich denkende Männer im Lokal Haselhoff zusammen, denen die Körperertüchtigung ein ernstes Anliegen war. Neben den Herren M. Schlegel, Wilhelm Schwabe, Wilhelm und Fritz Vorhölter, Heinrich Büchner, Heinrich Schmuck und Fritz Wallbaum, von denen die Anregung zur Gründung des Verein ausging, hatten sich 30 weitere Höchstener zu dieser ersten Versammlung eingefunden.Der Vorsitz wurde den Herren Heinrich Schmuck und Fritz Wallbaum angetragen, die Leitung der Turnabteilung übernahm Turnbruder Schlegel. Man kam überein dem Verein den Namen „Turnverein Borussia 1869 Höchsten“ zu geben. Damit war einer der ältesten Dortmunder Vereine gegründet.

Durch freudigen Herzens gegebene Spenden und Beiträge einzelner Förderer konnten die notwendigsten Turngeräte beschafft und der Turnbetrieb aufgenommen werden. Schon bald erkannten weitere Kreise, dass Körperertüchtigung nicht Spielerei, sondern eine Stählung des äußeren und inneren Menschen bedeutet. Die Aufwärtsentwicklung des immerhin schon ca. 100 Köpfe zählenden Vereins wurde durch das Kriegsgeschehen 1870/71 unterbrochen. Der Verein konnte sich aber glücklich schätzen, dass alle ausgezogenen Mitglieder wiederkehrten.

Der Turnbetrieb wurde nun in verstärktem Maße wieder aufgenommen. Im Jahre 1872 wurde die erste Fahne des Vereins, die von Gönnern gestiftet worden war, im Rahmen eines Turnfestes geweiht. In den folgenden Jahren stieg nicht nur die Mitgliederzahl, sondern der Verein konnte sich auch auf den verschiedensten Wettstreiten mit Erfolg durchsetzen. So konnte vor allem der Vereinwirt Heinrich Haselhoff auf einem Turnfest in der Hobertsburg im Jahre 1885 die Rheinisch Westfälisch - Lippische Meisterschaft im Turner-Ringkampf erringen.

In besonders hoher Blüte stand der Verein in dem ersten Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende. Zu dieser Zeit waren es vor allem die starken Männer, die die Tradition hochhielten und getreu ihrem großem Vorbild Heinrich Haselhoff den Namen des Vereins über die engeren Grenzen hinweg bekannt und hochgeschätzt machten. Es gab kaum eine Sportveranstaltung von der die Gebrüder Fritz und August Haselhoff nicht mit Siegeslorbeer geschmückt heimkamen. So konnte Fritz Haselhoff, nach stundenlangem Endkampf, mit einem Sofa als Siegestrophäe zum Höchsten heimkommen.

Auch in anderen Disziplinen wie Stabhochsprung und Hindernislauf steigerten sich die Turner zu Höchstleistungen. Hierbei waren es die Gebrüder Hohmann sowie Heinrich Haselhoff und Heinrich Lorenz, die sich besonders hervortaten und manchen Ehrenpreis im Vereinslokal präsentieren konnten. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle all derer zu gedenken, die in jener Zeit aus reinem Idealismus und reiner Selbstdisziplin die hohen und edlen Ziele des Sports verfolgten und dem Verein zu Ehre und Ansehen verhalfen.

Der Kriegsausbruch 1914 brachte zwangsläufig einen Stillstand in den Turn- und Sportbetrieb. Nach Beendigung des Krieges ging man rasch an die Reaktivierung des Vereinslebens. So fand Pfingsten 1919 anlässlich des 50jährigen Vereinsjubiläums das größte Fest statt, das die kleine Ortschaft Höchsten bis dato je gesehen hatte. Nicht weniger als 65 auswärtige Vereine hatten sich eingefunden. Auch die Höchstener Bevölkerung gab durch fast vollständiger Beteiligung ihrer Verbundenheit mit der „Borussia“ Ausdruck.

Nach Jahren des Wiederaufbaus trat der Verein erstmalig 1926 wieder ins Rampenlicht, als die Ringermannschaft Gruppensieger der Gruppe Hörde wurde. Da die Entwicklung des Sports sich in den nächsten Jahren mehr und mehr den Rasenspielen zuwandte, wurde 1929 mit dem Aufbau einer Handball-Abteilung begonnen. Die 1. Mannschaft nahm bald eine Spitzenstellung in der 3. Kreisklasse ein. Es folgte 1930 die Gründung einer Jugendabteilung und 1932 wurde auch eine Damenabteilung gegründet. Um aber auch den Freunden des Fußballs Gelegenheit zum „kicken“ zu geben wurde eine Fußballabteilung gegründet. Schwerathletik und Turnen traten demgegenüber in den Hintergrund.

Ständig wuchs die Mitgliederzahl und insgesamt 12 Mannschaften übten aktiven Sport aus, als der 2. Weltkrieg ausbrach und die Entwicklung jäh stoppte. Die Verhältnisse nach 1945 sind vielen Höchstenern noch in bester Erinnerung. Durch Verbot der Besatzungsmächte war die Ausübung jeglichen Sports zunächst untersagt. Nach monatelangen, schwierigen Bemühungen gelang es, Lockerungen zu erreichen und den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. An dieser Stelle muß besonders einem Mann gedankt werden, der von Dortmund aus bald richtungsweisend für den deutschen Sport wurde und in den achtziger Jahren das höchste Amt in der Sportbewegung bekleidete : Willi Daume. Zu den wenigen, die sich in den Sommermonaten 1945 um ihn scharten um den Grundstein zu einer neuen Sportbewegung zu legen, gehörten auch zwei Höchstener Borussen; Bruno Dresing und Friedrich Karl Ledüc.

Zunächst konzentrierten sich die Aufbaukräfte auf den Handballsport. Bedingt durch die damaligen Verhältnisse hatte gerade diese Sportart einen grossen Zuspruch erfahren, so dass bald wieder genügend Aktive zur Verfügung standen, um mehrere Stamm- und Jugendmannschaften aufstellen zu können. Zu Ermittlung der Spielstärke spielten alle Mannschaften zunächst in einer Klasse. Im Frühjahr 1947 gelang es der 1. Mannschaft auf Anhieb, die Gruppenmeisterschaft zu erringen und dadurch in die Bezirksklasse aufzusteigen. Hier behauptete die Mannschaft in den nächsten Jahren stets eine Spitzenposition. Nach Hineinwachsen der besten Jugendkräfte in das Mannschaftsgefüge gelang 1949 der große Wurf. Ungeschlagen wurde die Mannschaft Dortmunder Bezirksmeister und stieg in die Gauliga auf.

Nicht ganz so erfolgreich verlief die Entwicklung der ebenfalls wieder ins Leben gerufenen Fußballabteilung. Immerhin gelang der an sich kleinen Schar im Spieljahr 1949/50 der Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Infolge der dominierenden Rolle der Handballabteilung konnte der Fußballsport jedoch auf Dauer nicht bestehen, so dass diese Abteilung aufgelöst wurde.

Die ganze Kraft galt nun einzig und allein dem Handballsport. Unter der hervorragenden Leitung von Bruno Dresing ging es schnell bergauf. Es gelang fast von Jahr zu Jahr der Aufstieg in die nächst höhere Klasse, obwohl einige sehr gute Spieler zu anderen Vereinen abwanderten. In der Folgezeit war die Handballmannschaft eine der spielstärksten in Dortmund und Umgebung. In den Meisterschaftsserien stets vorne zu finden, wurden auch in Freundschaftsspielen und Pokalspielen schöne Erfolge errungen. Im Jahre 1966 wurde der Aufstieg in die Feldhandballoberliga Westfalen geschafft.

An dieser Stelle soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass neben den sehr guten Leistungen der gesamten 1. Mannschaft besondere Verdienste an den Aufstieg unser Handballobmann Bruno Dresing hatte. Neben ihm erwähnt sei der Name Herbert Schoeb, der nicht nur als Trainer tätig war, sondern wenn Not am Mann war sich auch das Trikot anzog und in den Reihen seiner Mannschaftskameraden auf dem Spielfeld manche Schlacht für die grün-weißen Farben entschieden hat.

Leider ereilte uns im Dezember 1966 ein trauriges Geschick. Im Alter von 54 Jahren verstarb plötzlich der Mann, der trotz seines schweren Berufes immer Zeit für den Handballsport und für seine Borussia hatte. Er war es, der nach dem Krieg den Verein und den Handballsport auf dem Höchsten groß gemacht hatte. Seiner gedenkend wurde 1967 vom Verein der „Bruno-Dresing-Gedächtnis-Pokal gestiftet, der seitdem jährlich unter den Jugendmannschaften ausgespielt wird.

Nach dem Tode von Bruno Dresing übernahm Willi Rost die Leitung der Handballabteilung. Unter seiner Regie ging es auch im immer stärker sich in den Vordergrund spielenden Hallenhandball bergauf und so gelang 1967 der Aufstieg in die Industrieliga.

In der darauffolgenden Zeit bis 1973 war die 1. Mannschaft wechselseitigen Einflüssen unterworfen. Die Spielstärke war in der Halle sowie auf dem Großfeld beachtlich. So wurde auf dem Feld in der Oberliga kräftig mitgemischt und in der Halle belegte die Mannschaft in der Verbandsliga brauchbare Plätze. Jedoch wirkte sich der Einfluss, der von außerhalb auf die Truppe einwirkte nicht sonderlich förderlich aus. Auf Dauer konnte das nicht gut gehen. Und so kam es, dass nach 1973 mehr und mehr Spieler den Verein verliessen. Die Folge war ein starker Leistungsabfall, der dann letztlich zum Abstieg in die Landesliga führte. Durch den Einbau hoffnungsvoller Nachwuchskräfte aus dem eigenem Lager gelang es jedoch, die Spielstärke zu halten, so dass die 1. Mannschaft in den folgenden Jahren bis zum Jahre 2000 in der Landesliga eine gute Rolle spielte. Es wurde der Aufstieg in die Verbandsliga geschafft, der nur ein Jahr Bestand hatte. Seit 2001 hat die Landesliga uns wieder.

Wenn bis jetzt hauptsächlich von der 1. Mannschaft die Rede war, so soll das keine Abwertung der Leistung unseres Nachwuchses sein. Gerade in der Jugendarbeit hatte und hat Borussia stets gute Erfolge erzielt. Seit den 60er Jahren sind die Jungen vom Höchsten im Kreis Dortmund bekannt und durch ihre spielerischen Leistungen nicht nur geschätzt, sondern auch gefürchtet.

Besonders verdient gemacht haben sich in den 60er und 70er Jahren Wolfgang Liskatin, Siegfried Brieke Heinz Witte und Albert Jacob. Unter der Leitung von Wolfgang Liskatin erreichte die A Jugend 1971 mit dem Gewinn der Westfalen Meisterschaft den bisher größten Erfolg.

Es ist erfreulich und sehr wichtig, wenn ein Verein über eine hervorragende Jugendarbeit berichten kann : nur so ist ihm die Zukunft gesichert, denn wer auf die Jugend baut, baut für die Zukunft. Und dies darf mit Recht vom TuS Borussia und den für die Jugendarbeit Verantwortlichen gesagt werden.

Der schwunghafte Aufstieg der Handballabteilung in den Jahren nach 1945 hätte nie erreicht werden können, wenn nicht in unermüdlicher Arbeit die jeweils leitenden Sportkameraden ihre ganze Kraft und Persönlichkeit in den Dienst der Sache gestellt hätten. Es ist manchmal leichter Siege zu erringen, als in stiller, jahrelanger Arbeit die Voraussetzungen zur Erreichung dieser Erfolge zu schaffen.

Zwei Männer aber dürfen nicht unerwähnt bleiben: Erich Schulte und Hans Gerhard Eckey.

Ohne Hans Gerhard Eckey wäre der Handballsport auf dem Höchsten seit 1965 undenkbar. Er ist Dreh- und Angelpunkt. Ob als Schiri oder Zeitnehmer, als Sekretär bei den Spielen, ob als Sitzungsvertreter oder als was auch immer , unser „Hoss“ ist die Seele der Handballabteilung.

Mit Erich Schulte, der seit März 1984 Ehrenvorsitzender des Vereins ist, stand über 20 Jahre ein Mann an der Spitze, der die Entwicklung des Vereins in der Nachkriegszeit entscheidend geprägt hat.

Borussia in Zeiten des Wandels

Auf dem Höchste aber nicht nur Handball gespielt, obwohl dies muss man ehrlicherweise eingestehen die Handballer stets im Mittelpunkt gestanden haben und Aushängeschild des Vereins waren und sind.

Als im Jahre 1948 der Schachverein Sommerberg Höchsten geschlossen in das Borussenlager übertrat, war eine neue Abteilung gegründet. Es spielte zwar kein Bobby Fisher in unseren Reihen, wir waren jedoch auch auf diesem Gebiet in Dortmund kein Unbekannter. Nach einer Flaute im Schachsport der Abteilung sind die Verantwortlichen für diesen Sport Herbert Nierhoff und Jörg Tempelmann auf dem besten Weg die Schachabteilung wieder zur vergangenen Leistungsstärke zurückzuführen.

Da die Gründer des Vereins nicht mit Ballspielen begannen, sondern das Turnen pflegten, glaubten wir, der Zeit entsprechend und der Tradition verpflichtet, auch den Turnbetrieb wieder aufnehmen zu sollen. So besteht seit 1966 eine Gymnastikabteilung für Frauen und seit 1967 eine Turnabteilung, die unter guter Führung sehr viel Zuspruch gefunden haben und stetig an Mitgliedern zunahm. Große Verdienste um den Aufbau dieser mitgliedermäßig größten Abteilung hat unser Vereinskamerad Heinz Küppers.

Seit der Fertigstellung der Turnhalle auf dem Höchsten im Jahre 1978 haben wir die Möglichkeit, auch vor Ort Breitensport anzubieten, ohne in Sportstätten benachbarter Vororte ausweichen zu müssen.

So konnten wir im Jahre 1979 mit Unterstützung von Erich Schulte eine Volleyballabteilung ins Leben rufen. Diese Abteilung die jüngste in unserer TuS Familie erfreut sich reger Beteiligung.

Bei der Gründung des Vereins vor 132 Jahren fühlte sich die Bevölkerung des Höchsten als Dorfgemeinschaft verantwortlich, kulturelles Leben zu entfalten und ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen. Dieser Zusammenhang scheint in unserer heutigen, oftmals unpersönlichen Welt, leider vielfach zu fehlen. Gerade Sportvereinen kommt daher in unserer Zeit eine wichtige Funktion zu, vermögen sie doch kulturelles Leben zu entfachen und als integrierende Kraft zu wirken. Es wäre allerdings zu wünschen, dass noch mehr Mitbürger sich aktiv oder sei es lediglich als passives Mitglied am Vereinsgeschehen beteiligen würde.

(Chronisten waren Erich Schulte und Eckhard Schulte)

( Zusammengestellt aus Auszügen einiger Festzeitschriften des TuS von Bernd Nowak )